LEITBILD

Theaterspiel ist immer ein Erzählen von Geschichten in lebendigen Bildern. Für dieses Erzählen stellen sich Menschen sozusagen "live" in den Dienst an einer Figur. Das Theaterspiel will auch Emotionen wecken, Ideen und Phantasie anregen.  Was aber wäre dieses lebendige Erzählen ohne ein Publikum?

Vielleicht kann man diese Situation passend vergleichen mit einer hübschen Blume aus Plastik: Man braucht sie nicht zu gießen, sie wird uns auch den Lauf der Jahreszeiten nicht an sich zeigen, und sie würde als Plastikblume gänzlich ohne uns auskommen und doch immer noch Blume sein. Ein Kinofilm auf eine DVD gebrannt oder als Datei online verfügbar - das könnte so eine Blume sein. Das Theaterspiel aber ohne Zuschauer würde  -  um im gewählten Bild zu bleiben  -  welken, vertrocknen und schließlich eingehen müssen.
Ohne Publikum würde das Erzählen dieser "lebenden" Bilder - auf Dauer - nicht möglich sein: Engagement, Lust und naturgemäß nicht zuletzt auch die Finanzen würden bei den Theaterschaffenden erheblich leiden.

Das Theater Radiks sieht sich in diesem Sinne in einer Nische und in der Aufgabe gerade jungen Menschen das Erzählen in diesen "lebenden" Bildern nahe zu bringen. Mit einfachen theaterlichen Mitteln, die insbesondere auf der Qualität des Schauspiels ruhen, wollen wir junge Menschen erreichen und zum Dialog bewegen, Mut, Lust und Interesse wecken über sich selbst und andere nachzudenken und sich auszutauschen, und nicht zuletzt zu staunen und zu lachen.

Auf den Austausch mit dem Publikum legen wir besonderen Wert, daher bieten wir nach jeder Aufführung ein erstes Nachgespräch mit den Zuschauern an. Die gemeinsam erlebte Aufführung darf persönlich beurteilt werden, und alle werden angeregt inhaltliche Fragen zu stellen und auch Fragen zum Schauspiel. Das Nachgespräch soll auch Platz bieten für positives und negatives Echo, denn nicht alles glingt und nicht alle gut gemeinten Absichten dringen erkennbar zum Publikum. Aber wie dem auch sein mag, dieses erste Gespräch sehen wir als Motivation sich weiter auszutauschen im kleineren Kreis, mit Freunden und selbstverständlich auch in der Klassengemeinschaft.

Um möglichst viele Stimmen und Meinungen für einen Dialog zu gewinnen, orientieren wir uns bei der Konzeption und Inszenierung der Stücke und auch im Nachgespräch am No-Blame-Aproach: Wir versuchen den Kern eines Problems zwischen Menschen zu focussieren, ohne diese Figuren als "schuldig" oder "hilfsbedürftig" extra zu markieren. Hier vertrauen wir auf die Fähigkeiten und Ressourcen der Kinder und Jugendlichen selber für sich zu erkennen welches Verhalten zwischen Menschen verletzend oder unterstützend ist. Und so begrüßen wir jede Meinung, solange sie gewaltfrei und ohne persönlich zu diffamieren geäußert wird. Alle sollen sich gleichweis angesprochen und angeregt fühlen gemeinsam in ein Gespräch zu kommen.

In diesem Zusammenhang sehen wir unsere "gewaltpräventiven" Stücke und das gemeinsame Gespräch im Anschluß als Baustein zur Sensibilisierung um sich selbst und andere verstehen zu wollen für einen achtungsvollen Umgang miteinander und nicht zuletzt um auch Lösungen zu entwickeln. Dieser letzte Schritt allerdings wäre ohne die entsprechende Vor- und Nachbereitung der Lehrkräfte und Pädagoginnen und Pädagogen zu den Veranstaltungen mit dem Theater Radiks nicht möglich, deshalb ein Herzliches Dankeschön an dieser Stelle für diese Arbeit!

Abschließend hier noch etwas zu dem vielleicht ungewöhnlichen Namen „Radiks“. Es ist dies eine Reminiszenz an den russischen Dichter Daniil Charms, der im Jahre 1927 in Leningrad eine Theatergruppe gleichen Namens mitbegründete und dessen Drama „Elizaveta Bam“ die erste Produktion unseres Ensembles war. Und der eigenwillige Dichter Charms hinterließ wohl hoffentlich auch Spuren beim Ensemble Radiks, frei nach Daniil Charms: Die Sache mit Ernst besehen wäre es nicht wunder, daß einem das Herz  zerbreche vor Lachen.

Karl Koch, Leiter des Theater Radiks
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